Das Geisterschiff

(Nacherzählt Archiv der Stadt Wels, Nr. 1192, dr. O. Schmotzer Materialsammlung 1927-1930)

Bevor die Bahnen gebaut wurden, herrschte auf der Traun reges Leben. Die Flösse, hatten gute

Tage, sie mußten Salz und Holz in großen Mengen befördern, und zahllose Schiffe und Flöße

Schwammen täglich die Traun hinab. Auf der Rückkehr hielten die Flösser in Schleißheim an, und die Wirte konnten hübsche Zechen einkassieren. Auch viele Fischer wohnten in Schleißheim, da der Fluss vor der Entstehung der Fabriken durch seinen riesigen Fischreichtum ausgezeichnet war. 

Wenn die Traunreiter die die Fahrzeuge Stromaufwärts zu führen hatten am Tage recht Fluchten, dann arbeitete der Teufel nächtlicherweise nach und die Leute hörten dann dann den Teufel näselnd ,,hea hea“ rufen und Flüche wiederholen, die am Tage von den Schiffern ausgestoßen worden waren. 

Geheimnisvolle Lichteln erschienen über der Traun. Wenn aber die Leute glaubten, es komme ein Schiff an, und zur Traun eilten, dann waren die geheimnisvollen Lichteln verschwunden. Einmal wollte der alte Jochen in der Nacht die Netze ausnehmen, da fiel Feuer vom Himmel, ein feuriger Drache flog durch die Luft und alle rannten vor dem Zeichen eines zu zornigen Gottes davon. Manchmal sagen aber die Uferbewohner um Mitternacht ein geheimnisvolles Schiff die Wellen hinab gleiten. Es bewegt sich ganz unhörbar nordwärts, kein Ruder und kein Schieferknecht ist sichtbar. Es ist das Geisterschiff, dass nur von Geistern gelenkt wird. So oft das Schiff gesehen wurde, fand bald darauf jemand in der Nähe seinen Tod in der Traun.

 

Die Rappen beim Mair

(Nacherzählt Adalbert Depiny, Oberösterreisches Sagenbuch, Linz 1932, Seite 3 Nummer 8)

Beim Mair zu Derndorf in der Welser Gegend kam die wilde Jagd vorbei, das Tour sprang auf und Rappen stürmten in den Hof. Seidher gedeiht auf dem Gut kein anderes Pferd als ein Rappe, auch wurde das Scheunentor immer wieder aufgerissen so dass nichts übrig blieb als das Haus nieder zu reißen und an eine andere Stelle wieder aufzubauen. Nicht heute sind im Stalle nur Rappen eingestellt.

 

Der Müller und das rote Moor bei Wels

(Nacherzählt Adalbert Depiny, Oberösterreisches Sagenbuch, Linz 1932, Seite 9 Nummer 53)

Bei Wels stand eine Mühle am Waldesrande. Eines Nachts weckte den Müller Wagengerassel, Pferdegetrappel, Katzenegschrei und verworrener Stimmenschall. Der wachsame Haushund bellte wütend und um die eigene Angst zu unterdrücken, feuerte ihn sein Herr noch an. Als sich der Lörm gelegt hatte, erschien eine dunkle Gestalt am Fenster und rief dem Müller mit heiserner Stimme: ,,Komm her, Hans! Du hast uns heute mit deinem Hund jagen geholfen, da hast du dafür ein Stück Wild!“ Durch das Fenstergitter wurde ein großes Stück Fleisch in die Stube geschoben. Am Morgen sah der Müller mit Grauen das umheimliche Geschenk udn warf es in den Mühlbach. Als er aber wieder in die Stube zurückkahm, war es am alten Platze. Hunde und Schweine ließen es unberührt, auch das Vergraben im Garten half nichts. Da riet ihm der Pfarrer, es im roten Moor zu vergraben. Der Müller tat es und wr von dem unheimliche Wildbret befreit.

 

Endzeit Wels

(Nacherzählt Adalbert Depiny, Oberösterreisches Sagenbuch, Linz 1932, S.317, Nr. 69)

Auf der Welser Heide wird ewisnt eine große Schlacht geschlagen werden, in der der Antichrist unterliegt. Die Stadt aber wird völlig zerstört. Vorher wird sie do groß sein, daß man sie ,Welt`nennt, nachher wird si eso klein sein, das sie ,Weh`heißen wird. 

 

Endzeit Wels und Kaiser Karl im Untersberg

(Nacherzählt Otto Böckel, Die deutsche Vorlkssage, aus Natur und Geisteswelt, Sammlung wissenschalftlich-gemeinverständlicher Darstellungenen, 262. Bändchen, Leipzig 1909, S.90)

Die Sage behauptet, daß Kaiser Karl V. Im Untersberg bei Salzburg hause und die kleinen Bewohner desselben beherrsche. Er sitze an einem runden Tische, um welchen sein Bart bereits zwimal gewachsen sei; umspannt er ihn das dritte mal, so erwacht der Kaiser aus seinem Schlafe; das Ende der Welt ist alsdann nahe. Der Antichtist erscheint und auf den Feldern von Wels kommt es zu grimmiger Schlacht. Die Engel des Himmels stoßen in Ihre Posaunen und das letzte Weltgericht nimmt seinen Anfang.


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