Die GUDENUSHÖHLE

 

Die Gudenushöhle (6845/10) des Waldviertels kann man zu den ältesten Sied- lungsplätzen des Menschen in Österreich zählen. Die reichen Artefaktfunde (über 1000) des vorzeitlichen Menschen gehören teils den Moustérien und teils den Magdalénien an.

 

Die Höhle hat ihren Namen nach dem damaligen Besitzer der Burg Harten- stein, dem Reichsfreiherrn Heinrich von Gudenus, der die Ausgrabungen 1883/84 großzügig förderte (HACKER 1884).

Bei der Bergung der Fossilien wurden keine Schichten unterschieden. OBERMAIER & BREUIL (1908) versuchten im Nachhinein das reiche Fundgut typo- logisch zu unterscheiden. 1200 Artefakte, welche an Ort und Stelle verfertigt wurden, wie dies die Nuclei und Abfälle beweisen, haben im wesentlichen zwei Kulturschichten ergeben, die zum Teil aus dem Moustérien (bis ca. 30.000 Jahre), dessen Träger der Neandertaler war, und aus dem Magdalénien (vor etwa 15.000 Jahren), als der modernere Cro-Magnon-Mensch lebte,,stammen. Im Moustérien. bestand das Rohmaterial aus Quarzit, Bergkristall und Hornstein. Hierzu zählen Breitklingen, Bohrer, typische Moustérienschaber und zweiseitig bearbeitete Faustkeile, die ein Drittel des Gesamtbestandes ausmachen und die man wegen ihrer formalen Ausführung am ehesten mit einem mittleren Acheuléen in Ver- bindung bringen kann. OBERMAIER & BREUIL (1908) verwendeten ihrerseits den Begriff Acheuléo-Moustérien, doch PlTTlONl (1954) spricht von einem Faustkeil- rrioustérien. Das Magdalénien ist gesichert vertreten durch Knochenspitzen mit abgeschrägter Basis sowje einem Kommandostab. Die anderen Funde dieser Schicht, wie Knochennadeln, Steingeräte mit einfachen Klingen, Klingenschaber, Mittelstichel, kleine Spitzen, gravettoide Mikroklingen und die Rentierkopf- ritzung auf der Ulna eines Adlers oder eines Auerhahns, sind nicht ausreichend für eine eindeutige, kulturelle Bestimmung (NEUGEBAUER-MARESCH 1993). Aus der obersten, rezenten Schicht der Gudenushöhle konnte noch ein gelegentlicher menschlicher Besuch bis ins Mittelalter nachgewiesen werden. Es wurden durch Kupfer oder Bronze verfärbte Tierknochen und Keramikscherben aufgefunden. Die Gudenushöhle darf somit als eine der wichtigsten mittelpaläolithischen Fundplätze Niederösterreichs bezeichnet werden.

 

Quellen: ÂLTUNA, J. (1983): Hallazgo de un Cuon {Cuon alpinus PALLLAS) en Obarreta, Gorbea (Vizcaya) BÄRYSHNIKOV, G.F. (1995): Pleistocene dhole, Cuon alpinus (Carnivora, Canidae) from paleolithic sites of the greater Caucasus. Russian Academy of Sciences, Proceeding of the Zool. Inst. St. Petersburg 263: 92-120

 

BÄRYSHNIKOV, G.F, KASPAROV, A.K. & TlKHONOV, A.N. (1990): Saiga of the paleolithic of the Crimea, Academy of Sciences, Proceeding of the Zool. Inst. St. Petersburg 212: 3-48

 

DÖPPES, D. (1996): Sechs pleistozäne Höhlenfaunen aus Österreich. Teilgebiete eines Forschungsprojekts.- Unveröff. Diplomarbeit, Univ. Wien.

EHRENBERG, K. (1940): Die Fuchs- oder Teufelslucken bei Eggenburg, II. Teil - Abhandlungen der Zoolog.-Botan. Ges. 17 (2), Wien.

FESTETICS, A. (1980): Der Luchs in Europa. Kilda-Verlag, Greven.

 

HACKER, L. (1884): Die Gudenushöhle, eine Rentierstation im niederösterreichischen Kremsthale.  Mi«. Anthrop.Ges.14:145-153,Wien.

HARTMANN, W. & H. (1985): Die Höhlen Niederösterreichs 3, Z. Die Höhle, wiss. Beih. 30: 339-345, Wien.