Unbekannte Sagen aus Leoben - Zwei Gestalten ohne Kopf

Zwei Gestalten ohne Kopf - Mitteilung meiner ehemaligen Nachbarin Maria Holzer (1912 bis 1988):

 

Noch heute des Öfteren hört man in Leoben und Umgebung, dass in Vollmondnächten der Henker von Leoben und der Hl. Bischof Dinoysius erscheinen. Der Henker verkündet Unglück und nahen Tod, der andere, der Hl. Bischof Dionysius verheißt Glück und Wohlergehen. Gerade in Vollmondnächten und während der Raunächte soll sich der Henker beim Freimannsturm zeigen und in den Dachbalken des markanten Turmes am Rande der Leobener Altstadt soll ein unheimliches Raunen zu hören sein, welches sich mitunter zu den Schreien der einst im 15. bis 17. Jahrhundert darin Gefolterten

steigern soll. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat dort der Scharfrichter von Leoben (in Norddeutschland und Franken sinnigerweise auch als „Angstmann“ bezeichnet) streng abgesondert von der übrigen Stadtbevölkerung gewohnt und seines schaurigen Amtes gewaltet. Insbesondere während der unsicheren Periode der Raunächte (jeweils die Nächte vor dem 21. Dezember, 24. Dezember bis 1. Januar, sowie zum 6. Januar) ist es nicht verwunderlich, dass der Henker rund um seine Wirkungsstätte wandelt, die Leute erschreckt, nahes Unglück und baldigen Tod ankündigt. Völlig anders verhält es sich mit dem Erscheinen des Hl. Bischofs Dionysius aus der Massenbergkapelle. In einer

Zeichnung des Leobener Malers Max Tendler (1811 bis 1870) ist der Heilige mit zwei Köpfen dargestellt, einer sitzt auf seinem Hals, den zweiten komplett gleich aussehenden Kopf hat er auf seinem rechten Oberschenkel liegen. Dies hängt mit seiner Heiligenvita zusammen, da er einst in Paris enthauptet wurde und danach den abgeschlagenen Kopf bis zu seiner Begräbnisstätte bei der Abtei St. Denis hat. Wird

jemand des Heiligen ansichtig, so kann er sich in naher Zukunft auf einen beträchtlichen finanziellen Zugewinn freuen.

 

Dadurch, dass der Heilige mit zwei Köpfen dargestellt wird, so legt er den abgeschlagenen Kopf an bestimmten Orten ab, woraus im Laufe von zehn Jahren ein Goldschatz erwächst. Also, genau schauen, wo der Heilige Dionysius bei seinen Wanderungen in Vollmondnächten sein abgeschlagenes Haupt niederlegt!

 

Ein Artikel von Dr. Peter Kneissl 

 

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