„Vogel Strauss Du Eisenfresser“ Die Montanverlagsstadt Leoben und ihr Wappentier

Von Dr. Peter Kneissl

Unter den heraldischen Motiven des Gerichtsbezirkes Leoben ragt das Wappen der Montan- und Eisenverlagsstadt Leoben besonders heraus: Es präsentiert erstmals an einer Urkunde des Jahres 1298 anhangend einen Strauß mit zwei Hufeisen, von denen er eines im Schnabel und eines in seiner rechten Klaue trägt. 

Die Antwort auf diese Frage liegt in der legendenhaften Botschaft, die der Strauß übermittelt und diese ist weit stichhaltiger als die realen zoologischen und biologischen Fakten, die diesem größten lebenden flugunfähigen Vogel eignen.

Im sogenannten „Physiologus“, einer Schrift aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, deren Entstehungsort wohl im ägyptischen Alexandria zu suchen ist; wird über den Vogel Strauß wie folgt berichtet:

„Dieser Vogel betrachtet den Himmel. Wenn er aber Eier legen will, so legt er sie nicht auf die Erde, bevor das Plejadengestirn aufgegangen ist, sondern wenn die Plejaden aufgegangen sind und die Ähren in Blüte stehen und die Hitze da ist“.

Der Strauß ist nicht nur so faul seine Eier in den heißen Sand zu legen und diese dann von der Sonne ausbrüten zu lassen.

Nein, auch sein Magen und Freßverhalten ist auch ein äußerst Ausgefallenes und Besonderes: „Es wird von ihm erzählt, daß er sogar glühendes Eisen und Nägel verschlingt und feurige Kohlen, und alles dieses dem Magen zuwendet, denn seine Natur ist sehr kalt“.

Somit wahrlich ein äußerst eigenwilliger Menüplan, den der Vogel Strauß bevorzugt.

Auch der Naturphilosoph Albertus Magnus und der Dichter Reinmar von Zweter äußern sich ähnlich über den Strauß und seine ein wenig eigenen Freßgewohnheiten.

Für die Eisenverlags- und Montanstadt Leoben ist der Strauß also ein wahrhaft passendes Wappenbild, welches erstmals anhangend an einer Urkunde des Jahres 1298 auftritt. Da kaum jemand in Europa bis ins 17. Jahrhundert einen Strauß mit eigenen Augen gesehen hatte, so gleichen die Strauße der früheren Jahrhunderten eher Krähen oder Trappen. 

Erwähnenswert ist auch der Leobener Straußenpokal, welchen die Leobener Bürgerschaft zu Beginn des 17. Jahrhunderts herstellen ließ – hierbei besteht der Körper des Wappentiers aus einem Straußenei. Gefertigt wurde dieses Kunstwerk in Augsburg und er wurde im Jahre 1885 verkauft. Seit dem Jahre 1945 befindet sich der Leobener Straußenpokal in der Kulturgeschichtlichen Sammlung des Universalmuseums Joanneum in Graz.

Die Stadt Leoben ließ ihr Wappentier vom Künstler Friedrich Mayer – Beck (1907 bis 1977) im Jahre 1959 letztmals neu gestalten. 

Auch in Vordernberg ist der Strauß oberhalb des Portals des Verwalterhauses der beiden einst der Stadt Leoben gehörigen Radwerke VIII und X aus dem Jahre 1769 zu sehen.

Im Archiv des Leobener Wirtschaftsvereines – dem Vorläufer der heutigen Leobener Realgemeinschaft – befindet sich eine Zeichnung für einen Straußenbrunnen, der am Leobener Hauptplatz seinen Aufstellungsort finden sollte; jedoch nie ausgeführt wurde.

Auch die Katholische Kirche hat den Strauß für sich entdeckt – aufgrund seines auffälligen Speiseplanes. Hier wurde er kurzerhand zum tierischen Ideal eines Märtyrers stilisiert! Fürwahr eine eigentümliche Genese!

Man sollte jedoch die Legende über den ungewöhnlichen Appetit des Straußes nicht als völligen Unsinn abtun. Oliver Wings legt in seiner Dissertation (Bonn, 2004) über den komischen Mageninhalt von Vögeln dar, dass sich in Straußenmägen auch Nägel – sowie auch ein Schweizer Taschenmesser – des Öfteren finden.

Literatur:

# Buchholz, Hans – Günter: Ugarit, Zypern und Ägäis. Kulturbeziehungen im zweiten Jahrtausend v. Chr. Münster, 1999.

# Kirnbauer, Franz: Der Vogel Strauß mit dem Hufeisen im Schnabel. Sonderdruck aus biblos, Jg. 11, Heft 3. 1962.

# Lesky, Grete: Vogel Strauß, der Eisenfresser. Ein Beitrag zur Ergänzung von Arbeiten über den Vogel Strauß als Leobener Stadtwappen. In: Der Leobener Strauß 1. Leoben, 1973. S. 9 bis 20.

# Wings, Oliver: Identification, Distribution and function of Gastroliths in Dinosaurs and extant birds wiht emphasis on Ostriches (Struthio Camelus(. Disseration. Bonn, 2004.

 

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