Der unheimliche Jesuitenhof bei Eisenerz

Der unheimliche Jesuitenhof bei Eisenerz

Von Dr. Peter Kneissl

 

Fährt man heute mit dem Auto über die Präbichlstrasse nach Eisenerz hinunter, so fährt man rechter Hand an einem Erlen- und Weidenwald vorbei. Heute ist davon kein Stein mehr erhalten geblieben, doch bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts stand dort ein weiß getünchtes Haus und davor ein quadratischer Stall mit hohem Dach. Dies war der Gsollhof, ein wahrlich verrufener und unheimlicher Ort! Wie auf dem Josefee in Leoben, wo sich einst der Sommerspeisesaal, das Sommerrefektorium, im streng von der anderen Bevölkerung abgeteilten Bezirke befand; ja täuschend diesem ähnlich sehend, wurde dort vor den Toren von Eisenerz der Gsollhof errichtet.

Zunehmend verfielen diese Gebäude und die Ruinen wurden in einer wahren Nacht- und Nebelaktion mit der Abrissbirne in einer nebligen Novembernacht dem Erdboden gleich gemacht und dass er damit auf immer aus dem Gedächtnis der Menschen ausgetilgt werde! Doch wozu der Aufwand? Zuletzt bevor der Gsollhof demoliert wurde, war er vom letzten Eisenerzer Richter bewohnt gewesen, einem düsteren und unheimlichen Manne namens Ritzinger, von dem niemand seinen Vornamen zuverlässig zu nennen vermochte! Wahrhaft also eine unheimliche Figur, von welcher man tunlichst Abstand halten sollte. Entsprechend sauertöpfisch stapfte der zunehmend vergrämte

und einsilbige Mann von der schönen Stadt Eisenerz auswärts in Richtung seines unheimlichen Domizils.

Ansicht des Gsollhofes mit dem davor liegenden Stallgebäude, wenige Jahre vor dem Abbruch. Hier soll sich ein Jesuitenpater aus unglücklicher Liebe erhängt haben. Zudem war das Gebäude Wohnstatt des unheimlichen letzen Richters von Eisenerz, des Herrn Ritzinger. Den wenig braven Kindern in Eisenerz drohte man mit ihm ähnlich wie mit dem Krampus. Nur hatte der Ritzinger Richter weder Rute noch Teufelshörner- sein Familienname war Programm: 

 

Entdecken Sie Dinge die nicht gesagt werden dürfen: 

Schlimmen Kindern würde er mühelos mit einem Ritzer den Bauch aufschlitzen oder den Kopf abschneiden – und der Fall hätte ein für allemal damit seine endgültige Bewandtnis. Eine andere Geschichte erzählte gar von einem jungen Jesuitenpater, der sich aus unerfüllbarer Liebe zu einem Mädchen aus Eisenerz auf dem Dachboden an einem Dachsparren aufgeknüpft hätte, um sein leidvolles Dasein zu beenden. Fürwahr also ein schauerlicher und verrufener Ort der Gsollhof, den man tunlichst zu meiden hatte. Doch die Legende weiß zu berichten, dass man dort noch immer in Vollmondnächten den unheimlichen letzten Richter von Eisenerz, den bösen Ritzinger, in hellem silbernen Glanze herum wandeln sehen könnte! Seltsame Geschichten werden vom Gsollhofe und seinen Bewohnern noch von den älteren Eisenerzern berichtet.